Lullin + Ferrari

Anne Morgenstern

Sunset Sour

Anne Morgenstern – Sunset Sour

11. September – 31. Oktober 2026

"People like you and me, darling, we don't get to ride off into the sunset.
But we get to stay around and watch the stars come out.
And that's not nothing, I suppose." – Sam Young in Black Doves

Lullin + Ferrari freut sich, Sunset Sour zu präsentieren, die erste Einzelausstellung von Anne Morgenstern in der Galerie. Die hier erstmals gezeigte Serie ist das Ergebnis einer langjährigen visuellen Recherche an Orten mit vielschichtiger Geschichte, an denen Opulenz auf Verfall trifft und die Zeit ihre Spuren gleichermassen an Architektur und Körpern hinterlässt.

Alles in diesen Bildern wartet auf die Sonne – die Protagonistin und vielleicht auch Erzählerin dieser Geschichte von Dekadenz, Exzess und unabwendbarem Zerfall. Morgenstern zeigt eine Gesellschaft am Kipppunkt, die verzweifelt alles bewahren will, wie es ist: Jugend, Macht, Reichtum, die bestehende Ordnung der Dinge. Wie in einer griechischen Tragödie ist das Ende bereits geschrieben, und jeder Versuch, sich dem Schicksal zu widersetzen, führt nur wieder zu ihm zurück. Ruinen, Narben, Falten und abblätternde Farbe erscheinen als Vorzeichen dieses drohenden Zusammenbruchs; der Körper wird zum Seismographen dieser Kräfte – und, ironischerweise, zu ihrem Vollstrecker. Was in diesem Festhalten verloren geht, so legt Morgenstern nahe, ist nicht die Zeit selbst, sondern die Freude an ihr – die Leichtigkeit, die Lust und die Gelassenheit, die das Vergehen der Zeit zu einem Privileg machen statt zu einer Bedrohung.

Und doch ist Sunset Sour keine Klage. Zwischen Porträt, urbanem Detail und Stillleben hält Morgenstern Körper, Interieurs und Landschaften in derselben gesättigten Tonlage – geprägt von einer Spannung zwischen Opulenz und Abnutzung, Widerstand und Hingabe. Und sie beharrt darauf, dass alles, was die Zeit berührt hat, dadurch nicht geringer, sondern umso prächtiger wird: sommersprossige, gebräunte Haut, verwitterter Marmor, federleichtes, behandeltes Haar. Gegen eine Welt, die nur das Neue als wertvoll zu sehen gelernt hat, findet sie Reichtum gerade in dem, was gezeichnet, verändert und abgenutzt ist. Die Zeit wird hier weder verleugnet noch bekämpft; sie wird als das anerkannt, was diesen Oberflächen ihre Tiefe verleiht. Launisch und egoistisch schenkt die Sonne Licht, Wärme, Schönheit und Hoffnung – umso kostbarer, weil vergänglich. Morgenstern bietet uns Ausschnitte einer ambivalenten, angehaltenen Zeit: eine Einladung, den Griff zu lockern und die Sonne zu geniessen, bevor sie untergeht.