30 April – 20 June 2026
Im falschen Film hat für Evelina Reiter eine zugleich humorvolle und gesellschaftskritische Bedeutung. Es beschreibt ein Gefühl, das viele kennen. Man findet sich in Situationen wieder, die sich nicht richtig anfühlen, als wäre man in einer Geschichte gelandet, deren Regeln nicht für einen gemacht sind.
Im Zentrum der Ausstellung stehen Stadtszenen und persönliche Perspektiven, die alltägliche Erfahrungen aus der Sicht einer jungen Frau reflektieren. Reiters Arbeiten bewegen sich zwischen Beobachtung, Erinnerung und Intuition. Ihre Figuren streifen durch urbane Räume und begegnen Momenten von Unsicherheit, Nähe und Selbstbehauptung. Ein wichtiger Teil ihres künstlerischen Prozesses sind Zeichnungen, die im Alltag entstehen und den Arbeiten vorausgehen. In ihnen entwickeln sich erste Kompositionen, Bewegungen und Stimmungen, die später in die Malerei überführt werden. Diese Zeichnungen werden in der Ausstellung als eigenständige Arbeiten gezeigt und geben einen unmittelbaren Einblick in die Entwicklung ihrer Bildwelten.
Dabei wird deutlich, wie sehr diese Erfahrungen von gesellschaftlichen Strukturen geprägt sind. Immer wieder zeigen sich Mechanismen, die Frauen einschränken, verunsichern oder in bestimmte Rollen drängen und so das Gefühl erzeugen, im falschen Film zu sein. Viele dieser Erfahrungen sind individuell und zugleich teilen sie sich über persönliche Grenzen hinweg. Als Frauen haben wir oft mehr gemeinsame Geschichten, als wir denken.
Reiters Malerei ist ein fortlaufender Versuch, diesen Strukturen etwas entgegenzusetzen. In ihren Bildern entscheidet sie sich immer wieder für Freiheit, für eigene Perspektiven und für das Recht, sich im öffentlichen Raum zu bewegen und sichtbar zu sein. Humor und Selbstironie werden dabei zu Strategien, um mit diesen Spannungen umzugehen und ihnen etwas entgegenzustellen. So entstehen Arbeiten, die zwischen Ernst und Leichtigkeit oszillieren. Sie erzählen von wiederkehrenden Erfahrungen, aber auch von der Möglichkeit, sie zu durchbrechen und neu zu denken. Jede Figur ist dabei eine Hauptfigur im eigenen Film, in der eigenen Geschichte. Vielleicht sind wir manchmal im falschen Film. Aber irgendwann sind wir im richtigen. Und er wird wunderschön sein.
Evelina Reiter (*1998) lebt und arbeitet in Berlin. Sie absolvierte 2022 ihr Diplom in Malerei und war 2023 Meisterschülerin bei Nader Ahriman an der Weißensee Kunsthochschule Berlin. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, darunter bei der POSITIONS Berlin Art Fair, im Kunstraum Bethanien und in der Galerie im Saalbau. 2024 erhielt sie das Stipendium des Goldrausch Künstlerinnenprojekts.
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